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Geschichte


Errichtung unter Prinz Eugen von Savoyen

Die barocke Schlossanlage des Belvedere wurde als Sommerresidenz des Prinzen Eugen von Savoyen konzipiert.
1697
Ankauf eines Gartengrundstücks südlich des Rennwegs.

1712
Beginn der Bauarbeiten zur Errichtung des Unteren Belvedere.

1715
Der aus Bologna stammende spätbarocke Maler Marcantonio Chiarini beginnt mit der Quadraturmalerei im Mittelsaal des Unteren Belvedere – das Deckengemälde fertigt Martino Altomonte, der als einer der Begründer der selbstständigen Barockmalerei im heutigen österreichischen Raum gilt.

1717
Beginn der Arbeiten am Oberen Belvedere.

1718
Fertigstellung der umfangreichen Arbeiten an der barocken Parkanlage, die vom französischen Gartenarchitekten Dominique Girard geplant wurde, nachdem er in Versailles seine wassertechnischen und gartengestalterischen Kenntnisse erworben hatte.

1719
Empfang des türkischen Großbotschafters Ibrahim Pascha im Oberen Belvedere; Beauftragung von Francesco Solimena, dem wichtigsten Vertreter der neapolitanischen Malerei seiner Zeit, für die Gestaltung des Altargemäldes in der Schlosskapelle sowie des Deckengemäldes im Goldkabinett; für die Quadraturmalerei des Marmorsaales wählt Prinz Eugen den italienischen Freskenmaler Gaetano Fanti aus.

1720
Carlo Carlone, einer der Wegbereiter des Rokoko, erhält den Auftrag für die Gestaltung des Deckenfreskos im Marmorsaal.

1723
Vollendung des Oberen Belvedere.

1732/33
Aus statischen Gründen wird die Sala terrena von Hildebrandt umgebaut und erhält so ihr heutiges Aussehen.


Das Belvedere nach dem Tod des Prinzen Eugen

1736
Am 21. April verstirbt Prinz Eugen von Savoyen in seinem Wiener Stadtpalais. Da er kein rechtsgültiges Testament hinterlässt, setzt eine von Kaiser Karl VI. beauftragte Kommission seine Nichte Prinzessin Victoria als Erbin ein.

1752
Maria Theresia erwirbt die Liegenschaften des Belvedere.

1770
Pompöse Feierlichkeiten anlässlich der Vermählung der Kaisertochter Maria Antonia mit dem französischen Dauphin, dem künftigen Ludwig XVI., am 17. April im Belvedere.


Die museale Nutzung

1776
Maria Theresia und ihr Sohn, Kaiser Joseph II., treffen die Entscheidung, die k. u. k. Gemäldegalerie aus der Stallburg in das Obere Belvedere zu transferieren – im Sinne der Ideale des aufgeklärten Absolutismus soll die kaiserliche Sammlung für das Volk öffentlich zugänglich gemacht werden.

1781
Eröffnung der Gemäldegalerie im Oberen Belvedere als eines der ersten öffentlichen Museen der Welt.

1811
Gemäß dem Beschluss von Kaiser Franz I. erfolgt die Aufstellung der Sammlung des Schlosses Ambras im Unteren Belvedere. Prunkvolle Harnische und andere Rüstungsgegenstände, Büsten, Kleinplastiken, kunstgewerbliche Gegenstände sowie zahlreiche Gemälde waren nun hier zu sehen. Heute befindet sich der Großteil der Ambraser Sammlung im Kunsthistorischen Museum in Wien.

1888/89
Die kaiserlichen Sammlungen werden in das neu errichtete Kunsthistorische Museum transferiert. Nach dessen Eröffnung am 17. Oktober 1891 werden die beiden Belvedere-Schlösser vorerst einer musealen Nutzung enthoben.


Die Residenz

1896
Auf Entscheid Kaiser Franz Josephs I. wird das Obere Belvedere 1896 zur Residenz des Thronfolgers Franz Ferdinand. Es folgen Umbauarbeiten unter der Leitung des Architekten Ministerialrat Emil von Förster.


Die Moderne Galerie

In ihrer mehr als hundertjährigen Geschichte konnte sich die Österreichische Galerie als das bedeutendste Museum österreichischer Kunst etablieren.
1903
Eröffnung der Modernen Galerie im Unteren Belvedere als staatliches Museum und Gegenpart zu den kaiserlichen Sammlungen. Gründungsintention ist die Präsentation österreichischer Kunst im internationalen Kontext. Sammlungserweiterung durch Ankäufe des Cultusministeriums, die Vereinigung Bildender Künstler Österreich Wiener Secession und durch Schenkungen von Privatpersonen.

1908
Die Jugendstilikone Liebespaar (Kuss) von Gustav Klimt wird vom k. u. k. Ministerium für Kultur und Unterricht für die Moderne Galerie erworben.

1912
Umwandlung der Modernen Galerie in die Österreichische Staatsgalerie, Präsentation eines Querschnitts österreichischen Kunstschaffens vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Unterstützung des Sammlungsbestands durch Leihgaben des Staatsgalerievereins.

1915 bis 1938
Kunsthistoriker Franz Martin Haberditzl provisorischer Direktor der K.K. Österreichischen Staatsgalerie. Umfangreiche Erweiterung der Sammlung durch hochkarätige Schenkungen und Dauerleihgaben durch Mäzene wie die Familien Bloch-Bauer, Lederer, Wittgenstein u.a.m. Einige Porträts Gustav Klimts werden auf Wunsch Adele Bloch-Bauers als Dauerleihgabe an die Österreichische Staatsgalerie übergeben.

1918
Erweiterung der Österreichischen Galerie auf Oberes und Unteres Belvedere.

1923
Eröffnung des Barockmuseums im Unteren Belvedere.

1924
Einrichtung der Galerie des XIX. Jahrhunderts im Oberen Belvedere, Ausstellung österreichischer und internationaler Künstler, Sonderausstellungen.

1929
Eröffnung der Sammlung des 20. Jahrhunderts in der Modernen Galerie der Orangerie im Unteren Belvedere, Skulpturenaufstellung im Kammergarten.

1938 bis 1945
Direktion Bruno Grimschitz
Enge Verbindung zwischen Museumsverwaltung und NS-Verwaltung, sichtbar durch hohes Ankaufsbudget für „arteigene deutsche Kunst“ und der Schließung der Modernen Galerie unter dem Scheinargument, „entartete Kunst vor der Beschlagnahmung zu retten“. Trotz umfangreicher Bergungsmaßnahmen Verlust bedeutender Werke wie die Fakultätsbilder Gustav Klimts.

1945 bis 1955
Der Zweite Weltkrieg fügt den Schlössern schwere Schäden zu. Bombentreffer vernichten Teile des Marmorsaals des Oberen sowie den Groteskensaal des Unteren Belvedere. Ab 1945 Wiederaufbau und Renovierung der Belvedere-Schlösser.

1953
Nach Abschluss der Instandsetzungsarbeiten wird der Museumsbetrieb im Oberen Belvedere als Österreichische Galerie wieder aufgenommen.

1955
Am 15. Mai feierliche Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags im Oberen Belvedere „Österreich ist frei“.

1968 bis 1982
Direktion Hans Aurenhammer
Ausstellungsprogramm wird vom Ministerium entschieden.

1982 bis 1991
Direktion Hubert Adolph
1980er-Jahre im Belvedere von finanziellen Einschränkungen und kürzeren Öffnungszeiten geprägt.

1992 bis 2007
Direktion Gerbert Frodl
Unter dem Stichwort „Museumsmilliarde“ kam es in den 1990er-Jahren zur Modernisierung der Bundesmuseen. Umfassende Renovierung der beiden Schlösser bei laufendem Betrieb, Verlegung der Restaurierungsabteilung in den Gardehof des Unteren Belvedere. Neuaufstellung der Sammlungen im Oberen Belvedere, Neupräsentation des Barockmuseums im Untere Belvedere, Ausstellung der Mittelaltersammlung in der Orangerie. Große Ausstellungen wie Claude Monet (1996), Klimt und die Frauen (2000) oder Franz Xaver Messerschmidt erregen internationale Aufmerksamkeit und sorgen für Besucherrekorde.

2000
Eröffnung des Atelier Augarten, des späteren Augarten Contemporary, als Ausstellungsraum für zeitgenössische Kunst.

2002
Das 20er Haus, ein von Karl Schwanzer für die Weltausstellung 1958 in Brüssel geschaffener Pavillon, wird in die Österreichische Galerie eingegliedert.

2007 bis 2016
Direktion Agnes Husslein-Arco

2007
Adaptierung und behutsamer Rückbau des Unteren Belvedere sowie Einbau eines White Cube in der Orangerie; Eröffnung des Unteren Belvedere und der Orangerie für Wechselausstellungen sowie des Schatzhaus Mittelalter, des Schaudepots im ehemaligen Prunkstall.

2008
Spatenstich für den Umbau des 20er Haus und Abschluss der Zusammenführung aller Sammlungsbereiche im Oberen Belvedere.

2009
Eröffnung des Belvedere Research Center am Rennweg und Errichtung eines Verbindungsgangs zwischen dem Unteren Belvedere und der Orangerie. Gründung des Instituts für die Erstellung von Werkverzeichnissen im Belvedere Research Center.

2011
Eröffnung des 21er Haus als neuer Ausstellungsort für zeitgenössische österreichische Kunst im internationalen Kontext sowie Abschluss der Restaurierung der Sala terrena und der Prunkstiege des Oberen Belvedere.

2013
Das Winterpalais des Prinz Eugen in der Himmelpfortgasse in Wien wird als vierter Ausstellungsort des Belvedere eröffnet. Damit sind die Prunkräume des Innenstadtpalais erstmals in dessen Geschichte für die Öffentlichkeit zugänglich.

2015
Sanierung und Modernisierung des Oberen Belvedere mit einer technischen Heizungs-, Lüftungs-, Klima- und Luftbefeuchtungsanlage.

2016
Im Juli 2016 übernimmt Dieter Bogner die wirtschaftliche Geschäftsführung und bereitet das Museum auf die neue Doppelspitze vor.

Seit 2017
Doppelspitze Stella Rollig (Generaldirektorin und wissenschaftliche Geschäftsführung) und Wolfgang Bergmann (wirtschaftliche Geschäftsführung)